Wurmstichige Äpfel sind kein Schicksal, sondern das Ergebnis eines schlecht getimten Pflanzenschutzes. Mit dem gezielten Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen bekämpfen Sie den Apfelwickler rein biologisch und effektiv direkt im Eistadium.
- Präzisions-Timing: Nutzen Sie Pheromonfallen als Radar, um den optimalen Startzeitpunkt für die Ausbringung nicht zu verpassen.
- Intervall-Strategie: Einmaliges Aufhängen reicht nicht; planen Sie 3 bis 4 Lieferungen ein, um alle Flugwellen des Schädlings abzudecken.
- Temperatur-Check: Die nützlichen Helfer benötigen mindestens 15 °C, um aktiv auf die Jagd nach Schädlingseiern zu gehen.
- Hygiene-Basis: Entfernen Sie im Winter alle Fruchtmumien aus dem Baum, da sie als Winterquartier für die nächste Generation dienen.
- Langfrist-Perspektive: Biologischer Pflanzenschutz wirkt kumulativ – ab dem zweiten Jahr sinkt die Startpopulation des Schädlings spürbar.
Der Wurm im Apfel ist mehr als nur ein optisches Ärgernis. Es ist dieser eine Moment des Ekels, wenn Sie voller Vorfreude in Ihre mühsam gezogene Ernte beißen und plötzlich auf eine braune, krümelige Masse stoßen. Noch frustrierender ist die Ohnmacht, die darauf folgt: Sie sehen den Schaden erst, wenn es längst zu spät ist. Der Apfelwickler hat seine Arbeit im Verborgenen getan und Ihre Früchte fallen unreif vom Baum.
In manchen Jahren verlieren Hobbygärtner bis zu 80 % ihrer Apfelernte an diesen einen Schädling. Das Tückische: Selbst ein einziges befallenes Weibchen kann über 100 Eier legen – und jede nicht bekämpfte Generation potenziert das Problem für das Folgejahr. Was als „ein paar wurmige Äpfel" beginnt, wird ohne Gegenmaßnahmen schnell zum Totalverlust.
Viele Gärtner greifen in diesem Moment panisch zur Chemiekeule oder geben den Obstbaum innerlich schon auf. Aber es gibt einen biologischen Weg, der weit eleganter und nachhaltiger ist. Er funktioniert jedoch nur, wenn man aufhört, Schlupfwespen gegen Apfelwickler wie eine einfache Wunderpille zu betrachten und anfängt, sie als biologisches Waffensystem zu verstehen.
In diesem Artikel lernen Sie, wie Sie diesen mikroskopisch kleinen Nützling so präzise einsetzen, dass der Wurm keine Chance hat – und warum eine Pheromonfalle dabei Ihre wichtigste „Radarstation" ist.

Der Lebenszyklus des Apfelwicklers
Bevor Sie einen Schädling effektiv bekämpfen können, müssen Sie ihn verstehen. Der Apfelwickler (Cydia pomonella) gehört zur Familie der Wickler (Tortricidae) und ist in ganz Mitteleuropa der wirtschaftlich bedeutendste Schädling im Apfelanbau. Sein Lebenszyklus ist das Drehbuch, nach dem sich Ihre gesamte Bekämpfungsstrategie richten muss.
Phase 1 – Überwinterung (Oktober bis April): Die ausgewachsene Larve verpuppt sich in einem dichten Kokon unter loser Rinde, in Bodenspalten oder – besonders häufig – in den vertrockneten Fruchtmumien, die noch am Baum hängen. Sie übersteht Frost bis minus 20 °C problemlos.
Phase 2 – Falterflug (Mai bis Juni / Juli bis August): Sobald die Abendtemperaturen über 15 °C steigen, schlüpfen die unscheinbaren graubraunen Falter. Die Männchen fliegen zuerst und werden durch Pheromone der Weibchen angelockt. Nach der Paarung legt ein einziges Weibchen 30 bis 80 einzelne Eier – flache, durchscheinende Scheibchen von nur 1 mm Durchmesser – auf Blätter, Früchte oder Fruchtholz.
Phase 3 – Eiablage und Larvenschlupf (7 bis 14 Tage nach Eiablage): Genau hier, in diesem kurzen Zeitfenster, greift die Schlupfwespe ein. Die frisch geschlüpfte Larve bohrt sich innerhalb weniger Stunden in die nächstgelegene Frucht. Ist sie einmal im Apfel, ist sie für jede biologische Bekämpfung unerreichbar.
Phase 4 – Fraß und Auswanderung (3 bis 4 Wochen im Apfel): Die Larve frisst sich durch das Fruchtfleisch bis zum Kerngehäuse, hinterlässt krümeligen braunen Kot und bohrt sich schließlich nach außen, um sich am Stamm oder Boden zu verpuppen. In warmen Regionen Süddeutschlands und Österreichs beginnt dann eine zweite Generation – und der Zyklus wiederholt sich.
Dieses Wissen ist von großer Bedeutung. Jede Phase bietet einen anderen Ansatzpunkt für die Bekämpfung. Die Schlupfwespe ist das Werkzeug für Phase 3. Wer Phase 1 ignoriert (Fruchtmumien), verschenkt den wichtigsten Hebel für die Prävention.
Warum die meisten Gärtner beim ersten Versuch scheitern
Wenn Sie im Internet nach Lösungen suchen, stoßen Sie oft auf Angebote, die Ihnen suggerieren: „Einmal kaufen, aufhängen, fertig." Das ist der sogenannte „Ein-Lieferungs-Irrtum". Wer so handelt, wird enttäuscht werden. Biologie funktioniert nicht nach dem Prinzip „Viel hilft viel", sondern nach dem Prinzip des richtigen Zeitpunkts.
Der Apfelwickler fliegt in Wellen. Die erste Generation fliegt meist ab Mai, die noch gefährlichere zweite Generation folgt im Hochsommer. Wenn Sie Schlupfwespen gegen Apfelwickler bestellen und nur eine einzige Lieferung erhalten, decken Sie damit höchstens ein Zeitfenster von zwei Wochen ab. Was passiert in Woche drei? Die nächste Welle der Weibchen legt ihre Eier völlig unbehelligt ab. Die Antwort lautet daher: Intervall-Lieferungen (3–4 Lieferungen über 6–9 Wochen).
Neben dem Ein-Lieferungs-Irrtum gibt es weitere klassische Fehler, die den Erfolg systematisch sabotieren:
- Falscher Standort im Baum: Die Kärtchen werden am Stamm befestigt statt in der äußeren Krone – dort, wo die Eier tatsächlich liegen.
- Lagerung vor dem Aufhängen: Die gelieferten Kärtchen werden tagelang in der Wohnung vergessen. Die Schlupfwespen entwickeln sich darin weiter und sterben, bevor sie je einen Baum sehen.
- Kein Monitoring: Ohne Pheromonfalle hängen viele Gärtner die Kärtchen „irgendwann im Mai" auf. Das kann zwei Wochen zu früh oder zu spät sein – beides ist fatal.
- Kombination mit Breitband-Insektiziden: Wer parallel Neonicotinoide oder Pyrethroide spritzt, tötet die eigenen Schlupfwespen gleich mit. Diese Methoden schließen sich gegenseitig aus.
Der Nützling: Klein, aber hochspezialisiert
Wenn Sie das Wort „Schlupfwespe" hören, denken Sie vielleicht an die klassische gelb-schwarze Wespe, die Ihnen beim Grillen auf die Nase fliegt. Vergessen Sie dieses Bild sofort wieder.

Wir sprechen hier von Trichogramma cacoeciae. Diese Tiere sind für das menschliche Auge fast unsichtbar – kleiner als der Punkt am Ende dieses Satzes (ca. 0,4 mm). Sie sind hochspezialisierte Parasiten, die Ihre Äpfel niemals anrühren werden. Ihr einziges Lebensziel: Die Eier des Apfelwicklers finden. Sie stechen das fremde Ei an, legen ihr eigenes hinein, und statt einer Made, die sich später in Ihren Apfel bohrt, schlüpft aus dem Apfelwickler-Ei eine neue Schlupfwespe.
Was diese Methode so elegant macht, ist der Multiplikator-Effekt: Jedes erfolgreich parasitierte Apfelwickler-Ei produziert mehrere neue Schlupfwespen. Das System ist selbstverstärkend – die Nützlinge vermehren sich genau dort am stärksten, wo der Befallsdruck am höchsten ist.
Ein wichtiger Kaufhinweis: Trichogramma cacoeciae ist die bevorzugte Art für den Freilandeinsatz im Obstbau, weil sie kältetolerant und windresistenter ist als T. evanescens, die primär in Vorratslagern gegen Lebensmittelmotten eingesetzt wird. Die falsche Trichogramma-Art im Garten ist einer der häufigsten, aber am wenigsten bekannten Gründe für Misserfolge.
Timing und Temperatur: Die entscheidenden Faktoren
Hängen die Kärtchen zu früh, verhungern die Wespen ohne Wirts-Eier. Hängen sie zu spät, sitzt die Larve schon im Apfel. Dieses Präparat wirkt ausschließlich gegen Eier, nicht gegen Larven oder ausgewachsene Falter. Deshalb sind Timing und Temperatur untrennbar miteinander verknüpft.

Beachten Sie diese Temperatur-Grenzwerte genau:
- Unter 10 °C: Die Schlupfwespen verharren in Kältestarre oder sterben.
- Unter 15 °C: Die Aktivität ist stark eingeschränkt, die Parasitierungsrate bricht ein.
- Optimal (18–28 °C): Höchste Suchleistung. Die Weibchen parasitieren bis zu 80 Eier.
- Über 30 °C: Die Lebensdauer der Wespen verkürzt sich drastisch.
Beobachten Sie dabei nicht nur die Tageshöchsttemperaturen, sondern vor allem die Nachttemperaturen. Der Apfelwickler-Falter ist dämmerungs- und nachtaktiv – er legt seine Eier bevorzugt in lauen Abendstunden ab. Und genau dann müssen Ihre Schlupfwespen einsatzbereit sein. Ein einfaches Min-Max-Thermometer im Obstgarten hilft entscheidend weiter.
Das exakte Startsignal liefert Ihnen die Gerobug Apfelwickler-Pheromonfalle. Sie ist kein direktes Bekämpfungsmittel, sondern Ihr strategischer Indikator.

Sobald Sie mehr als 5 Falter pro Woche in der Klebefalle zählen, hat der Flug begonnen. Die Männchen sind da, die Befruchtung der Weibchen folgt, die Eiablage beginnt wenige Tage später. Erst wenn die Falle diesen Schwellenwert überschreitet und die Nachttemperaturen stabil über 12 °C liegen, ist der perfekte Moment für die erste Ausbringung gekommen.
Als grobe regionale Orientierung (die Pheromonfalle schlägt diese Faustformeln immer):
- Süddeutschland, Österreich, Schweiz (Tieflagen): Erster Falterflug oft schon Anfang Mai, zweite Generation ab Mitte Juli. 4 Lieferungen empfehlenswert.
- Mitteldeutschland, Rheinland: Erster Flug Mitte bis Ende Mai, zweite Generation ab Ende Juli. 3–4 Lieferungen einplanen.
- Norddeutschland, Küstenregionen: Erster Flug oft erst Anfang Juni, zweite Generation nur in warmen Jahren. 3 Lieferungen reichen meist aus.
- Höhenlagen ab 600 m: Nur eine Generation pro Jahr, Flug ab Juni. 2–3 Lieferungen genügen häufig.
Schlupfwespen, Chemie oder Pheromone
Was bringt wirklich was?
Lassen Sie uns ehrlich über Wirkungsgrade sprechen. Kein biologisches Mittel schafft 100 %. Wer das verspricht, lügt. Aber die Kombination macht den Erfolg. Hier sehen Sie den direkten Vergleich:
| Methode | Wirkungsgrad (Reduktion) | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Schlupfwespen (Trichogramma) | 30–70 % (je nach Witterung) | Keine Rückstände, arbeitet von selbst, sicher für Bienen | Temperaturabhängig, nur präventiv gegen Eier |
| Pheromonfalle | Monitoring (keine Bekämpfung) | Zeigt exakten Startzeitpunkt an, fängt Männchen weg | Wirkt nicht gegen Weibchen oder Larven |
| Chemische Insektizide | 80–95 % | Hohe Sofortwirkung | Tötet Nützlinge, Wartezeiten vor Ernte, Resistenzgefahr |
| Fanggürtel (Wellpappe) | 10–20 % | Fängt verpuppungswillige Larven ab | Wirkt erst NACH dem Schaden an der Frucht |
| Hygienemaßnahmen (Mumien) | Basis-Schutz (Vermeidung) | Verhindert Startpopulation im Frühjahr | Arbeitsintensiv |
Die entscheidende Erkenntnis: Keine einzelne Methode reicht allein aus. Im professionellen Bioanbau spricht man vom Integrierten Pflanzenschutz (IPM). Die Pheromonfalle liefert die Daten, die Schlupfwespe greift das Ei an, der Fanggürtel fängt Nachzügler ab und die Winterhygiene reduziert die Ausgangspopulation. Jeder Baustein für sich wirkt moderat – in der Summe erreichen Sie Wirkungsgrade von 80 % und mehr, ganz ohne Chemie.
Fruchtmumien und Fallobst konsequent beseitigen
Bevor Sie auch nur einen Euro ausgeben, schauen Sie bitte genau in Ihren Baum. Hängen dort noch vertrocknete, schrumpelige Äpfel vom letzten Jahr? Wenn ja, haben wir das Problem identifiziert.

Diese Mumien sind die Bunker der Apfelwickler-Puppen. Wenn Sie diese nicht im Winter oder zeitigen Frühjahr entfernen und im Restmüll (nicht auf dem Kompost!) entsorgen, startet die erste Generation direkt in der Mitte Ihrer Baumkrone. Hygiene ist die Basis, Schlupfwespen sind die Abwehr.
Eine zweite, oft vergessene Quelle: Fallobst. Befallene Äpfel, die im Sommer zu Boden fallen, enthalten häufig noch aktive Larven. Diese wandern aus dem Apfel in den Boden oder an den Stamm, verpuppen sich dort und werden zur nächsten Generation. Sammeln Sie Fallobst daher mindestens zweimal pro Woche auf und entsorgen Sie es im Restmüll oder in einer geschlossenen Biotonne, die heiß genug kompostiert wird (über 60 °C).
Eine konsequente Winter- und Sommerhygiene kann die Apfelwickler-Population allein um 30 bis 50 % reduzieren. Das ist der Hebel, der Ihre Schlupfwespen erst in die Lage versetzt, den Rest effektiv zu bewältigen.
So hängen Sie die Kärtchen richtig
Viele Anwender befestigen die Kärtchen am Stamm oder hängen sie einfach in den Baum. Das ist falsch. Der Apfelwickler legt seine Eier dort ab, wo die kleinen Äpfel sind – im Außenbereich der Krone und in den Spitzen.

Folgen Sie diesen Schritten zur maximalen Wirkung:
1. Standortwahl: Suchen Sie schattige Plätze direkt in der Nähe der Fruchtbüschel. Direkte Sonne tötet die empfindliche Brut im Kärtchen, bevor sie schlüpft.
2. Befestigung: Hängen Sie die Kärtchen windgeschützt auf, aber mit direktem Kontakt zu Zweigen oder Blättern. Die schlüpfenden Wespen krabbeln lieber als zu fliegen – bauen Sie ihnen eine Brücke.
3. Die richtige Menge: Ein Standard-Set reicht oft nur für einen kleinen Spindelbusch. Bei großen Bäumen im Zweifel die doppelte Menge einplanen.
4. Verteilung in der Krone: Verteilen Sie die Kärtchen gleichmäßig über alle Seiten des Baumes. Konzentrieren Sie sich besonders auf die Südwest- und Südostseite – dort ist die Eiablagedichte erfahrungsgemäß am höchsten.
5. Höhe beachten: Hängen Sie die Kärtchen auf 1,5 bis 2,5 m Höhe. Bei großen Hochstämmen müssen die Kärtchen mit einer Leiter in die Krone gebracht werden. Eine bodennahe Platzierung ist wirkungslos.
6. Alte Kärtchen belassen: Lassen Sie abgearbeitete Kärtchen aus früheren Lieferungen hängen. Sie stören nicht und können noch einige Nachzügler-Wespen entlassen.
Kalender und langfristiger Erfolg
Der Jahreskalender
Biologischer Pflanzenschutz ist kein Einmal-Event, sondern ein Jahresprogramm:
Januar bis März – Winterhygiene: Alle Fruchtmumien entfernen, lose Rindenstücke am Stamm abkratzen (dort verstecken sich Puppen), Fanggürtel aus Wellpappe am Stamm anbringen.
April – Vorbereitung: Pheromonfalle spätestens Mitte April aufhängen. Schlupfwespen-Lieferungen vorbestellen. Min-Max-Thermometer kontrollieren.
Mai bis Juni – Erste Generation: Sobald die Falle Falter anzeigt und die Temperaturen stimmen: erste Ausbringung. Alle 14 Tage eine Folgelieferung. Fangzahlen wöchentlich dokumentieren.
Juli bis August – Zweite Generation: In wärmeren Regionen zeigt die Pheromonfalle einen erneuten Anstieg. Weitere Runde Schlupfwespen einsetzen. Diese zweite Generation ist oft aggressiver, weil die Temperaturen höher sind.
September bis Oktober – Erntezeit: Fallobst konsequent aufsammeln. Nach der Ernte alle verbliebenen Früchte vom Baum entfernen. Frische Fanggürtel anbringen.
November bis Dezember – Baumschnitt und Planung: Beim Winterschnitt auf Gespinste und Kokons achten. Beobachtungen des laufenden Jahres notieren – diese Daten sind im nächsten Jahr Gold wert.
Kann man den Erfolg messen?
Ja, aber erwarten Sie keine Wunder über Nacht. Ein Wirkungsgrad von 60 % bedeutet, dass von 100 potenziellen Würmern immer noch 40 durchkommen. Das klingt ernüchternd. Aber im nächsten Jahr ist die Startpopulation viel geringer. Biologischer Pflanzenschutz ist ein Marathon, kein Sprint.
So messen Sie Ihren Fortschritt konkret:
- Befallsquote bei der Ernte: Zählen Sie stichprobenartig 100 Äpfel und schneiden Sie sie auf. Notieren Sie jährlich, wie viele Fraßgänge Sie finden.
- Fangzahlen der Pheromonfalle: Dokumentieren Sie wöchentlich die Fangzahlen. Sinken sie von Jahr zu Jahr, ist Ihr Programm erfolgreich.
- Fallobstmenge: Weniger vorzeitiger Fruchtfall im Sommer bedeutet weniger Befall.
Realistische Erwartungen für ein konsequentes Programm: Im ersten Jahr 40 bis 60 % Reduktion, im zweiten Jahr 60 bis 80 %, ab dem dritten Jahr oft unter 10 % Restbefall.
Naturnahe Verbündete und Sonderfälle
Schlupfwespen sind nicht die einzigen Nützlinge in Ihrem Garten. Meisen und Kleiber jagen überwinternde Larven unter der Rinde – ein Meisenpaar füttert seine Jungen mit bis zu 10.000 Insekten pro Saison. Hängen Sie Nistkästen nahe Ihrer Obstbäume auf. Ohrwürmer fressen Apfelwickler-Eier und kleine Larven; fördern Sie sie mit mit Holzwolle gefüllten Tontöpfen, die kopfüber im Baum hängen. Blühstreifen aus Phacelia oder Wilder Möhre verlängern die Lebensdauer der adulten Trichogramma-Wespen, die sich von Nektar ernähren.
Beachten Sie außerdem: Der Apfelwickler befällt auch Birnen, Quitten und Walnüsse. Alle betroffenen Bäume im Garten müssen gleichzeitig behandelt werden, sonst weicht der Falter einfach aus. Und wenn Ihr Nachbar einen vernachlässigten Apfelbaum voller Fruchtmumien hat, werden von dort ständig neue Falter herüberfliegen. Die beste Lösung: Sprechen Sie ihn an und bieten Sie an, gemeinsam zu bestellen. Ein nachbarschaftlicher Bekämpfungsansatz potenziert den Erfolg für beide Seiten.
Fazit
Der Einsatz von Schlupfwespen gegen Apfelwickler ist keine Zauberei, sondern angewandte Biologie. Es erfordert das richtige Timing (dank Pheromonfalle), die richtige Temperatur (über 15 °C) und die Ausdauer für mehrere Intervalle. Die entscheidende Einsicht, die erfolgreiche Gärtner von frustrierten unterscheidet: Biologischer Pflanzenschutz ist ein System, kein Produkt. Es ist die Kombination aus Winterhygiene, präzisem Monitoring, mehrfacher Schlupfwespen-Ausbringung und naturnaher Gartengestaltung, die langfristig zu nahezu wurmfreien Ernten führt. Jeder einzelne Baustein für sich ist nur ein Puzzlestück, aber zusammengesetzt ergeben sie ein Bild, das der Chemiekeule in nichts nachsteht und Ihrem Garten dabei seine Lebendigkeit bewahrt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen normalen Wespen und Schlupfwespen gegen Apfelwickler?
Schlupfwespen der Gattung Trichogramma sind mit circa 0,4 mm winzige Nützlinge, die für Menschen harmlos und mit bloßem Auge kaum erkennbar sind. Im Gegensatz zu Speisewespen interessieren sie sich nur für die Eier von Schädlingen, in denen sie ihre eigene Brut ablegen. Profi-Tipp: Sie stechen nicht und verschwinden von selbst, sobald keine Schädlingseier mehr vorhanden sind.
Wann ist der richtige Zeitrahmen für den Einsatz?
Der Einsatz beginnt meist ab Mai, sobald die Pheromonfalle mehr als fünf Falter pro Woche anzeigt und die Temperaturen stabil über 15 Grad liegen. Da der Apfelwickler in Wellen fliegt, müssen Sie die Ausbringung über 6 bis 9 Wochen in Intervallen wiederholen. Achtung: Ohne Pheromonfalle als Monitor arbeiten Sie im Blindflug.
Sind Schlupfwespen gefährlich für Kinder oder Haustiere?
Nein, Trichogramma-Schlupfwespen sind absolut unbedenklich für Menschen, Haustiere und andere Nützlinge wie Bienen. Da es sich um ein rein biologisches Verfahren ohne chemische Rückstände handelt, können Kinder sogar beim Aufhängen der Kärtchen helfen. Wichtig: Die Früchte können nach der Ernte ohne Wartezeit direkt verzehrt werden.
Warum scheitern Hausmittel oft bei der Bekämpfung?
Hausmittel wie Wellpappgürtel oder bloßes Absammeln setzen meist erst an, wenn die Larve den Apfel bereits geschädigt hat oder zur Verpuppung abwandert. Sie reduzieren zwar die Population für das Folgejahr, retten aber nicht die aktuelle Ernte vor dem Wurmbefall. Nur Schlupfwespen zerstören das Ei, bevor die Made überhaupt schlüpfen kann.
Wie kann ich einem Befall langfristig vorbeugen?
Die wichtigste Prävention ist die konsequente Beseitigung von Fruchtmumien im Winter und das Aufsammeln von Fallobst im Sommer, um den Lebenszyklus zu unterbrechen. Kombinieren Sie diese Hygiene mit einer stabilen Population von Nützlingen durch eine naturnahe Gartengestaltung. Profi-Tipp: Entsorgen Sie befallene Früchte niemals auf dem Kompost, sondern im Restmüll.
Funktionieren Schlupfwespen auch gegen den Apfelwickler bei Birnen und Walnüssen?
Ja, Trichogramma-Schlupfwespen wirken gegen den Apfelwickler unabhängig davon, auf welchem Obstbaum er seine Eier ablegt. Der Schädling befällt neben Äpfeln auch Birnen, Quitten und Walnüsse. Wichtig: Alle betroffenen Bäume im Garten müssen gleichzeitig behandelt werden, da der Falter sonst einfach auf unbehandelte Bäume ausweicht.
Wie lagere ich die Schlupfwespen-Kärtchen nach der Lieferung richtig?
Hängen Sie die Kärtchen idealerweise noch am Tag der Lieferung in den Baum. Falls das nicht möglich ist, lagern Sie sie maximal ein bis zwei Tage bei Zimmertemperatur (18 bis 22 Grad) ohne direkte Sonneneinstrahlung. Auf keinen Fall in den Kühlschrank legen – Kälte stoppt die Entwicklung und die Wespen sterben ab. Jeder Tag Verzögerung reduziert die Schlupfrate und damit die Wirksamkeit.
Kann ich Schlupfwespen und biologische Spritzmittel wie Bacillus thuringiensis gleichzeitig verwenden?
Bacillus thuringiensis (Bt) wirkt gegen Larven, die bereits geschlüpft sind, und ist mit Trichogramma-Schlupfwespen kompatibel, da es die adulten Wespen nicht schädigt. Diese Kombination ist im professionellen Bioobstbau sogar Standard: Die Schlupfwespe verhindert den Schlupf, und Bt erledigt Larven, die durchkommen. Chemisch-synthetische Insektizide dagegen töten die Schlupfwespen und dürfen auf keinen Fall gleichzeitig eingesetzt werden.
